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Einleitung

Seit ich mich erinnern kann haben mich die Nomadenvölker der Steppe interessiert – von der Mandschurei bis nach Zentralasien. Hinzu kommt das ich in den in den letzten Jahren angefangen habe, mich sehr für russische Geschichte und Literatur zu interessieren. Was lag also näher als irgendwann die Koffer zu packen und in eines der Länder der ehemaligen Sowjetunion zu reisen, wo das Nomadentum noch wirklich gelebt wird. Meine Wahl fiel auf Kyrgyzstan – ein Land in dem die Mythen noch lebendig sind und Traditionen sowohl geehrt und als auch gelebt werden. Bei der Gelegenheit reiste ich von dort weiter nach Usbekistan um zusätzlich die alten Städte der Seidenstraße wie Chiwa, Buchara und vor allem Samarkand zu sehen.

Kyrgyzstan – Ende September bis Anfang Oktober


Meine Reise begann mit einem Transitflug von München über Moskau, welcher in Bischkek, der Hauptstadt Kyrgyzstans endete. Im nächtlichen Landeanflug durch die Nebelschwaden betrachtet, wirkte das glühende, pulsierende und bedrohliche Moskau, wie ein ungezähmtes, fremdes, mythisches Ungetüm. So hatte ich noch nie eine Stadt empfunden! Nicht mal aus der Entfernung so wie hier, Moskau hatte schon eine immense Wirkung aus der Luft bei Nacht –wer weiß vielleicht verschlägt es mich auch mal dahin – aber gewiss nicht allein – dafür habe ich vor dieser Stadt zu großen Respekt. Während des gesamten Fluges wurde in der Maschine ausschließlich russisch geredet. Die Luft an Bord war durch den Atem russischer Passagiere geschwängert mit dem Geruch nach Wodka und erinnerte mich an eine russische Liebe, deren Küsse bei unserer ersten Begegnung ebenfalls danach schmeckten.

Bischkek –Hauptstadt Kyrgyzstan`s

Wenn man nach Kyrgyzstan fliegt, ist der Flughafen Manas unweigerlich die erste Station in diesem Land. Draußen wartete schon mein tatarischer Fahrer Arsen Galiew. Die Fahrt nach Bischkek führte durch die schöne, herbstliche Landschaft. – Als Bischkek zum Vorschein kam konnten dahinter die schneebedeckten Berge bewundert werden. Die Stadt selber hat das Flair, einer zugleich asiatischen, orientalischen und vor allem sowjetischen Stadt. Letzteres besonders wegen der zahlreichen Monumentalbauten durch den typisch sowjetischen Baustil. Gleich zu Anfang fiel die große Zahl junger Leute auf. Hier leben die verschiedensten, zentralasiatischen Volksgruppen. Natürlich überwiegend Kirgisen, aber auch Tataren, Usbeken, Kasachen, Turkmenen, Tadschiken und hier und da einige Russen. Ich begegnete sogar einer recht hübschen, russischen Bettlerin mit ihren Kindern. Dies wirkte im ersten Moment befremdlich. Eine blonde Europäerin, die in einem, einst von Zaren eroberten Land der Steppe, bettelnd die Hand nach Geld ausstreckt. Hier und da sieht man Frauen mit Kopftüchern durch die Stadt spazieren und obwohl eher in der Minderheit, sind sie dennoch immer wieder anzutreffen. Moslem ist in Kyrgyzstan fast jeder. Aber wie Richard Heider, ein hier lebender Deutscher (Leben in Kirgistan ) zu sagen pflegt: „Die Kyrgyzen sind eher pragmatische Moslems.“ – Das trifft es ziemlich gut. Da ich selber arabischer Abstammung und ein recht liberaler, wenn nicht gar pragmatischer Moslem bin, :) brachte mir dieser Umstand während der gesamten Reise einen ziemlichen Vorteil. Insgesamt legen die Kyrgyzen in Bischkek viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres und l generell lässt sich sagen, dass sie ein recht stolzes Volk sind. Das soll aber keineswegs heißen, sie wären unnahbar. Ganz im Gegenteil dazu sind sie sogar sehr gastfreundlich. Vielleicht könnte man sie am ehesten als unaufdringlich beschreiben. Sie wirken eher ruhig und vor allem gelassen und das scheint auch ein wenig die Weite und Schönheit ihres Landes wieder zu spiegeln. Im Stadtpark sprachen mich z.B. drei überaus nette und vor allem sehr neugierige Wirtschaftsstudentinnen an. Eine der ersten Fragen war ob ich verheiratet sei, was ich amüsiert verneinte. Danach machten sie noch ein paar Fotos mit mir zusammen. Abends aß ich mit Richard Heider und seiner Familie traditionell kirgisisch. Anschließend besuchte ich mit ihm Café, bevor es am nächsten Tag in die Berge gehen sollte. Jetzt konnte bemerkt werden, dass Bischkek trotz seines Großstadtstatus ein recht gemütlicher Ort ist und den Charme eines sympathischen Dorfes hat. Die Stadt ist zwar groß, aber die Leute leben hier jenseits jeglicher Hektik und sind weit entfernt von der Party-Gesellschaft anderer Großstädte. Nachts gehen die Leute ein wenig spazieren, trinken und essen hier und da eine Kleinigkeit, aber das war es dann auch schon. Die Menschen wirken dabei durchaus zufrieden. – Auf jeden Fall zufriedener als bei uns.

Sonkul See – der zweitgrößte See Kyrgyzstan`s

Am Morgen traf ich den jungen Russen Alexander (Sasha) – der für meinen Fahrer Arsen kurzfristig einsprang. Alexander wurde in Kyrgyzstan geboren und zu seinen Freunden zählen Türken, Tataren, Russen, Kirgisen und Tadschiken.
Er liebt sein Land, mitsamt der Berge, Flüsse, Wälder und Menschen, aber sein Traum ist es einmal nach Tibet zu reisen. Wir haben uns gleich auf Anhieb verstanden, was allerdings nicht schwer war. – Alexander ist ein charismatischer und sehr herzlicher Russe. Kurz nach unserem Aufbruch konnte ich auf der Straße einen jungen und sehr fröhlichen, vor allem aber betrunkenen Kirgisen beobachten. Dieser wurde gerade festgenommen, da öffentliche Trunkenheit in Bischkek verboten ist. Schon der Weg zum Son-Kul See machte einen sehr großen Eindruck auf mich. Hier offenbarte sich mir die Weite, Schönheit und Ursprünglichkeit des Landes. Des Öfteren hielten wir an, rauchten eine Zigarette und genossen den Ausblick auf Seen, Täler, Berge und Flüsse. Dabei war besonders eine gewisse natürliche Stille bemerkbar, wie man sie aus Deutschland kaum mehr kennt. Die Strecke führte uns immer weiter und höher, bis über die Waldgrenze in das Innere des Tian-Shan-Gebirge, auf über 3.000 Meter kam dann schließlich der zweitgrößte See Kyrgyzstan`s – der Bergsee Son-Kul zum Vorschein, an dem die Nomaden ihre Sommerweideplätze haben. Wer hier auf fließend Wasser, Strom, Handy-Netz oder gar Internet hofft, der wird enttäuscht. – Hier befindet man sich fernab jeglicher moderner Zivilisation und lebt noch wie seit tausenden von Jahren. Nach der Ankunft kamen wir bei der Nomadenfamilie Nurgul unter, und zwar in einer ihrer sehr gemütlichen Jurten am Ufer des Sees. Noch am gleichen Tag machte ich mich an den Aufstieg eines nahegelegenen Berges. Auf dem Weg grüßte ich ein paar Nomaden, auf islamische Art und genoss oben angekommen den Ausblick. Mein Blick schweifte über das Tal und den See. Hier und da waren vereinzelt Jurten und ihr Vieh zu Pferd treibende Nomaden zu sehen. Ich blieb noch eine Weile, genoss die Einsamkeit und die herrliche Weite, dann machte ich mich an den Abstieg, denn ich sah schon Rauch aus einer der Jurten der Familie Nurgul aufsteigen. Offensichtlich wurde gerade das Essen zubereitet. Bei unserer Ankunft hatten sie schon ein Schaf geschlachtet.
Unten angekommen wurde es bereits langsam ziemlich kalt, weshalb ich mich in der Kochjurte niederließ, wo es am wärmsten war. Während die Köchin hinter mir ausgelassen und fröhlich ein kirgisisches Lied sang, tollte ein kleiner Wolfshundwelpe zwischen meinen Beinen herum. Das Essen war köstlich und so frisch, wie es kaum anderswo zu bekommen ist. Es gab frisch gebackenes Fladenbrot, zu Kartoffeln und Schaf in einer leckeren Suppe. Alles auf Holzkohle gekocht und gebacken. Wir saßen gemeinsam beim Essen, die Glut knisterte und draußen, in den Bergen heulten die Wölfe. Später am Abend traf eine Gruppe russischer Fischer ein, die in der Nähe von uns ihre Zelte aufschlugen. Unter dem sternenklaren Himmel errichteten sie ein Lagerfeuer und luden mich zu paar, ungemein wärmenden Gläsern Wodka ein. die (Bei so viel Herzlichkeit brach ich ausnahmsweise mein Prinzip nichts zu trinken!) Die Fischer begannen immer fröhlicher begleitet von Gitarrenklängen, Volkslieder zu singen. Diese wurden von einem Liedermacher in der Zeit der Unterdrückung durch die UdSSR geschaffen. Sie stammten teilweise aus den Gulags und waren natürlich verboten. Heutzutage hingegen sind sie Kult. (* Wenn jemand weiß wie der Name dieses Liedschreiberes ist, bitte ich ihn inständig ihn mir mitzuteilen – das wäre großartig.) Die Melodie war sehr mitreißend, melancholisch und schön. Es wurde immer mehr Wodka getrunken und nachdem die Stimmung immer ausgelassener wurde, fingen die Feiernden langsam an zu tanzen. Währenddessen erklärte mir eine Russin die Sternbilder im Himmel über dem Son Kul See. Irgendwann verkroch ich mich dann in meine warme Jurte, um zu schlafen.

Tasch Rabat – eine alte Karawanserei auf der Seidenstraße

Vor meiner Weiterreise nach Tasch Rabat – genoss ich noch den Anblick des Son-Kul Sees im Morgenlicht, aß bei der Nurgul Familie frisches Fladenbrot und süßes Brot. Dazu wohltuend heißen Tee und frische Eier die köstlich schmeckten. Danach verabschiedete ich mich von Alexander (Sasha) und fuhr ich mit Arsen weiter durch malerische Täler und Wälder, entlang des größten Flusses Kyrgyzstan`s, dem „Naryn“, welcher über 800 km lang ist. Die Fahrt führte durch Dörfer, Steppengebiete und Bergpässe. Allerorten stießen wir auf reitende Nomaden, deren Herden uns nicht selten den Weg versperrten. Dann hieß es Geduld bewahren. In den Dörfern war es nicht selten dass im Garten vor dem Haus eine Jurte stand.
In Tasch Rabat angekommen, machte ich mich sofort auf den Weg zur alten, an der Seidenstraße liegenden Karawanserei. Der, das Land mit China verbindende Torugart Pass, ist nur 80km entfernt. Ich lief durch ein sonnendurchflutetes Tal, entlang eines reißenden Bergflusses zu dem alten Gebäude. Vorübergehende Begleitung fand ich in einem Rudel zutraulicher Wolfshunde. Auf den Rückweg traf ich eine kirgisische Nomadin mit ihren Yaki-Hunden. Wir unterhielten uns ein wenig, marschierten gemeinsam ein Stück das Tal entlang des Flusses, und gingen schließlich unserer Wege. Als dunkle Wolken über dem Tal aufzogen, machte ich mich eilig auf den Weg zur meiner Jurte. Die Familie Sabyrbek bei der ich hier untergekommen war, besaß neben der, mir zur Verfügung gestellten Jurte, zusätzlich zwei kleine Steinhütten. Eine davon war eine Sauna, die bemerkenswerterweise mit Kuhmist angeheizt wurde. Dies ist für unsereins gewiss gewöhnungsbedürftig, besonders da man nach Benutzung für einige Zeit danach riecht. In der zweiten Steinhütte kamen Familie und Gäste bei knisterndem Feuer zusammen, um zu Essen. Hier fand ich auch drei französische Touristen, auf Abenteuersuche vor. Aber der wahre Sonnenschein war die Nomadin Aylchywa, mit ihrer dreijährigen kleinen Tochter, die in die Familie Sabyrbek eingeheiratet hatte. Aylchywa iwar eine überaus interessierte, liebevolle Frau, die sich gerne mit Gästen aus dem Ausland unterhält. Da in Kirgistan, seit dem Fall der Sowjetunion, eine allgemeine Rückbesinnung zum Islam stattfindet, haben natürlich viele Kirgisen Fragen, zur praktischen Umsetzung. So auch Aylchywa, die mich mit Fragen, vor allem zur korrekten Koranübersetzung von dies und das überhäufte. Bedauerlicherweise würde ich meine Kenntnisse über den Islam nicht gerade als besonders tief gehend bezeichnen. Ich sehe mich zwar als Moslem, würde mich aber bestimmt nicht als perfekt bezeichnen. Zumindest grundlegende und einfache Fragen konnte ich beantworten. Mir gefiel die gesunde Einstellung Aylchywas zum islamischen Glauben (fernab vom blinden Autoritätsglauben). Etwas das ich mit ihr teile.




Koschoi-Korgon – Ein Ort voller Geschichte

Als ich am Morgen aufstand, krähte der Hahn und es begann wieder nach verbrannter Holzkohle zu duften. Ich sah langsam immer wilder aus, wie die freie wilde Natur um mich herum. Für einen Araber wie mich, ist es nicht einfach seinen Bart da draußen zu bändigen, und so strahlten meine weißen Zähne unter dem zotteligen, schwarzen Barthaar hervor, während ich mich zunehmend nach einem Bad und einer gründlichen Rasur sehnte. Bevor sich dafür Gelegenheit bot, reisten mein Fahrer und ich erst einmal zur alten und sehr gossen Karawanserei „Koschoi-Korgon“, die heute zwar nur noch eine Ruine ist, aufgrund ihrer Größe aber immer noch beeindrucken kann. Dies gilt vor allem dann, wenn man die Ruinen im Tal des Tian-Shan-Gebirge schon von Weiten sieht, trotz des mächtigen und nahliegenden Gebirge links und rechts im Hintergrund, während an ihr gemächlich Viehherden vorbei ziehen. Ich stellte mir bildlich vor, wie damals Händler und Nomaden zwischen den großen Mauern „Koschoi-Korgons“ Schutz suchten und dazu ihre Jurten im Inneren aufschlugen.
Hier gab es auch ein kleines Museum, in welches mich mein Fahrer einlud und in dem ich auch der einzige Besucher war. In einer der menschenleeren, lichtdurchfluteten Galerien war ein Vogel gefangen, der in dem Versuch zu entkommen, andauernd gegen die Scheiben der Fenster flog. Also öffnete ich ihm eines der Fenster, damit er davon fliegen konnte. Das Museum Die Ausstellungsstücke selber waren sehr interessant. Alte Rüstungen konnten einfach so berührt werden, es gab Artefakte der Skythen zu sehen und das Informationsmaterial berichtete über die, zusammen mit den Tataren in das Land einfallenden Mongolen und verschiedenes über die kirgisische Sage von „Manan“.




Kotschkorka - Die Stadt der Kinder

Nach „Koschoi-Korgon“ machten wir uns auf den zu unserem nächsten Reiseziell „Kotschkorka“. Kotschkorka ist eine kleine Stadt, die für normale Touristen in der Regel uninteressant ist. Mir hingegen gefiel das Städtchen, besonders an jenem ersten, herrlichen Herbstabend sehr gut. Vor allem konnte ich dort endlich wieder duschen und rasieren. Kotschkorka liegt wie viele kirgisische Städte in einem großen Gebirgstal und ist von Grünflächen durchzogen, welche sich zum Zeitpunkt meines Besuchs bunt verfärbt hatten und in herrliches Herbstlicht getaucht waren. Während ich alleine durch die Straßen schlenderte, begegneten mir, Scharen von spielenden Kindern. Erwachsene sah man kaum. Es wirkte, als ob die Stadt von kleinen Kirgisen beherrscht wurde, was die schöne Atmosphäre hier noch verstärkte. Später erfuhr ich den Grund für die große Zahl an Kindern. Auf eine kirgisische Frau kommen ca. fünf Kinder. Die meisten davon bleiben unter Aufsicht einiger, weniger Alter von Frühling bis Ende Herbst in den Dörfern zurück, während der Rest der Familie das Vieh durch die Täler treibt.
Bei meinen Streifzügen fand ich einen kleinen islamischen Buchladen, der von einer hübschen Kirgisin mit Kopftuch geführt wurde. Danach entdeckte ich einen alten, längst vergessenen Leninpark, der fast etwas verwunschenes hatte, so wie er im Herbstlicht erstrahlte. Bevor ich schließlich mit meinen tatarischen Fahrer zu Abend aß, ging ich noch im nahegelegenen Wald von Kotschkorka spazieren und genoss die Herbstfarben der Bäume. Auch hier begegneten mir viele spielende Kinder. - Fast könnte man Kotschkorka als den überdimensionierten Spielplatz für Kinder bezeichnen.

Das Umland hier ist voll herbstlicher Wälder, grüner Täler und wunderschöner Seen und Flüsse. Meiner Meinung nach lohnt es sich wiederzukommen und diese Gegend genauer zu erkunden.

Karakol – Eine russische Offiziers Stadt

Als wir am nächsten Morgen aufbrachen, regnete es in Strömen. Wir fuhren die Ufer des majestätischen Issyk Kul Sees (Yssykköl-See) entlang, welcher der größte See Kyrgyzstans sowie der zweitgrößten Gebirgssee weltweit ist. Kurz hielten wir am Skazka Canyon und später bei der Dschety-Oguz-Schlucht, die auch bekannt ist als das „gebrochene Herz“, wobei sie auch so aussieht. Bei Betrachtung von der anderen Seite hingegen , wird sie auch ihrem zweiten Namen, „Sieben Ochsen“ gerecht.
In Karakol angekommen, machte ich mich trotz leichten Nieselregens, an die Erkundung dieser kleinen Offiziersstadt. Der Einfluss Russlands ist hier unverkennbar. Was alleine schon anhand der fast völlig aus Holz gebauten, russisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskirche zu erkennen ist. Auch leben hier mehr Russen. An vielen Stellen kann man auf den Issyk-Kul-See hinab sehen und hinter der Stadt erstreckt sich ein riesiger Nationalpark mit ausgedehnten Wäldern und Gebirgsgegenden. Dahin machte ich mich am nächsten Tag auf.



Die dort gewonnenen Eindrücke in Worte zu fassen ist kaum möglich. Selbst mit all meinen Sinnen habe ich diese Pracht nicht vollends aufnehmen können, vom Fotoapparat ganz zu schweigen. Als wir morgens in Richtung Nationalpark aufbrachen, hatte es bereits aufgehört zu regnen, hier und da begann bereits langsam die Wolkendecke aufzureißen, um die Sonne durchzulassen. Die Natur glitzerte förmlich vor Feuchtigkeit und raubte einem mit ihrer Schönheit fast den Atem. Außer mir und zwei Viehhirten, die ich auf meiner Wanderung durch diese wunderbare Landschaft traf, war keine Menschenseele zu sehen. Meine Wanderungen führten mich durch eine herrliche Herbstlandschaft, die in den wundervollsten Farben leuchtete. Hier gab es alles, was das Herz eines Wanderers begehrt - sonnendurchflutete Täler, schneebedeckte Berge, riesige und dichte Wälder, reißende Flüsse und vieles mehr. Nach unserer Rückkehr, aßen mein Fahrer und ich ausgiebig in Karakol . Besonders der köstliche, kirgisische Borschtsch war ein Genuss . Danach betete ich in der hölzernen Dunganen-Moschee Die Dunganen sind eine, vor allem in Kyrgystan und anderen zentralasiatischen Staaten lebende, muslimisch-chinesische Minderheit. Ihre Emigration im 19. Jahrhundert in das Zarenreich wurde durch blutige Unruhen ausgelöst, die Millionen von Opfern forderten.
Die Reise ging weiter zu den Semenow-Schluchten, welche ebenfalls in der Nähe des Issyk-Kul-Sees liegen und mir erneut den Atem raubten. Es war so beeindruckend, sodass weder Poesie, noch sonst etwas diese Schönheit ausdrücken könnte. - Grüne, ausgedehnte Täler, umrahmt von gigantischen Berghängen, im Herbstlicht leuchtende Wälder, auf Grashügeln ruhende Nomaden, die ihren Blick in die Ferne schweifen ließen, während das Vieh weidete. Selbst mein sonst so beherrschter und wortkarger tatarischer Fahrer konnte seine Begeisterung, für diese wunderbare Szenerie nicht unterdrücken.





Tamchi – ein Dorf am Ufer des Issyk Kul Sees

Abends erreichten wir das kleine Dorf Tamchi welches direkt am Ufer des Issyk Kul Sees lag. Diverse Strände in der Nähe, zogen während des Sommers viele Badegäste an. Noch am selben Tag machte ich einen kleinen Abendspaziergang am See entlang. Die Kinder spielten an Stränden oder in den Straßen des Dorfes ausgelassen in der Abendsonne. Mir begegnete ein sehr junger Nomade, welcher gerade dabei war, sein Pferd zu zähmen. Sein kleiner, ein- bis zweijähriger Sohn sah ihm dabei zu. Er packte eine, um Pferd Hals gelegte Leine, wodurch es unvermittelt durchging und vom Strand aus, über eine Wiese, in ein nahegelegenes Wäldchen und immer weiter durch das Gelände galoppierte, wobei der Nomade gar nicht daran dachte es loszulassen, sondern einfach hinter ihm her rannte, ohne sich von der entfesselten Kraft einschüchtern zu lassen. Ich war von der Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer dieses Mannes wirklich beeindruckt und dachte bei mir, wie verweichlicht wir Städter doch sind. Als das Pferd merkte, dass es seinen Herren nicht abschütteln konnte, beruhigte es sich wieder. Zu guter Letzt tränkte er es im See welcher in der Abendsonne glitzerte. Danach nahm er seinen kleinen Sohn auf die Schultern, kam schmunzelnd auf mich zu und schüttelte mir, dem sichtlich imponierten und einzigen Touristen hier am Strand, die Hand. Tja das waren Kraft und Freiheit zugleich – das sind Kirgisen.

Die letzten Tage in Kyrgyzstan

Von Tamchi ging es wieder zurück nach Bischkek. Auf der Fahrt begleiteten mich für Kyrgyzstan charakteristische Bilder: Endlose durch ein Gebirgstal führende Eisenbahngleise, auf denen eine kirgisische Familie – die Kinder fröhlich voraus rennend - einem unbestimmten Ziel entgegenging. Ein verspielt, durch den Vorhang einer Jurte herauslugendes, kleines Kind und dahinter die weite Steppe.

Es war ein schöner, letzter Tag – auch wenn ich wegen der nahenden Abreise etwas Wehmut empfand. Leider machte ich da auch die einzig negative Erfahrung. Ein Polizist hielt mich auf und verlangte meinen Ausweis. Nachdem ich ihm diesen gegeben hatte, führte er mich auf einen Platz und bot mir eine Zigarette an. Obwohl ich anfänglich gar nicht wollte, lies ich mich schließlich doch überreden und wir rauchten zusammen eine. Auffällig war, dass er die ganze Zeit über mein Personalausweis einbehielt. Ein Umstand der klarer wurde, als die Zigarette zu Ende war. Er erklärte mir, dass ich verbotener Weise auf einem öffentlichen Platz geraucht hatte und wollte ein Bußgeld in Höhe von 100 €. Nachdem ich ihn auf fünf € runter gehandelt hatte, gab er mir den Ausweis zurück und ließ mich gehen. Korruption ist halt leider überall ein Problem, besonders in der Stadt.
Die Menschen und das Land haben aber einen viel zu guten Eindruck hinterlassen, als das mir dieses ärgerliche Erlebnis den Eindruck vermiesen könnte. In Bischkek muss man eben ein wenig mehr aufpassen. Außerhalb der Städte hingegen sind die Menschen zwar härter, dafür aber ehrlicher und bodenständiger. Was vielleicht daran liegt, dass sie sich als Teil einer Natur begreifen, in der es nichts nützt mit Status zu prahlen oder mit Schönheit zu imponieren. Wahrscheinlich würden oberflächliche Menschen die Weite diese Landes alleine deswegen nicht ertragen, weil all diese Äußerlichkeiten, die ihnen sonst so bedeutend erschienen, hier nichts wert sind. Wer sich aber selber nicht zu wichtig nimmt, kann in diese Erhabenheit eintauchen und Teil von dieser werden.

Kleine Anmerkung zu Hunden:

Es muss noch erwähnt werden, dass ich eine starke Hundephobie habe. Besonders deutsche Hunden scheinen meinem Eindruck nach recht schnell zu bellen und Menschen anzuspringen, wenn sie nicht sogar gleich zubeißen. In Kirgistan wäre so etwas undenkbar, da der Hund dort viel zu großen Respekt vor dem Menschen hat. Interessanterweise hatte ich hier nicht die geringste Angst vor den Vierbeinern. Möglicherweise ist dies aber auch kein Wunder, wird in Deutschland doch so manchem Hund mehr Wert beigemessen, als den Menschen. Das Verhältnis zwischen Mensch und Hund ist bei uns in Deutschland sowieso recht eigen und bei vielen, wie auch bei mir, ehrlich gesagt ziemlich unverständlich.

Usbekistan –Anfang Oktober bis Mitte Oktober


Nach Kyrgyzstan machte ich mich auf nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Auf diesen Teil der Reise werde ich nicht allzu genau eingehen. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen, weil ich denke, dass es zu diesem Land mehr als ausreichend Reiseberichte gibt, aber auch da das Land in mancher Hinsicht wie ein riesiger Souvenirshop anmutete und somit vieles an Authentizität einbüßt. Das Land wird förmlich von Touristenhorden überlaufen. Vielleicht war mir auch der Kontrast zwischen Kyrgyzstan und Unsbekistan zu hart. Ich erlitt förmlich einen Zivilisationsschock als ich die Hölle am Taschkenter Flughafen überleben musste. Auch recht nervenaufreibend hier ist die ausufernde Bürokratie. Für fast alles benötigt man eine Erlaubnis.
In Usbekistan die unterschiedlichsten Ethnien Zentralasiens zu Hause. Die Einheimischen sind sehr hilfsbereit, freundlich und vor allem gastfreundlich, sprich es ist keine Seltenheit, dass man zum Essen eingeladen wird.

Meine Reise führte mich von Taschkent über Chiwa und Buchara und letzten Endes zur wahren Perle Usbekistans – „Samarkand“. Samarkand und seine Umgebung gefiel mir am besten. In dieser Stadt gab es märchenhafte Bauten zu bewundern, dazwischen Gärten und Parks, die in herbstlichen Farben getaucht waren und in den Straßen begegneten mir fast überall bildschöne, zentralasiatische Frauen, während das triste Umland eher einer Wüste ähnelte. Auf jeden Fall möchte ich noch jedem das russische Restaurant „Platan“ ans Herz legen, denn es liegt in einer träumerischen, ruhigen und beschaulichen grünen Allee, der Pushkin 2. Hier genossen mein Fahrer Ozur und ich des Öfteren die schöne Zeit und lachte zusammen mit ihn und der herzlichen russischen Bedienung, deren Lachfalten um ihre Augen schon ihr heiteres Wesen erahnen ließen.

In Usbekistan haben sich mir zwei lohnenswerte Ereignisse eingeprägt, welche ich hier erwähnen will. Das erste ereignete sich in Buchara. Als ich nachts durch die Stadt streifte, da hatte sie eine ganz andere Atmosphäre, als ich sonst in Usbekistan wahrgenommen hatte. Sie hatte einen gewissen Charme, war aber vor allem nicht durch Touristenhorden verstopft, die sich tagsüber durch die Stadt wälzten. Ich entdeckte den Eingang zu einer riesigen Moschee. Leise drangen die Stimmen der Betenden daraus hervor. Das Tor führte in einen Gebetsraum, in dem sich gerade mal zwei oder drei Gläubige beim Gebet befanden. Dahinter erstreckte sich ein riesiger Hof, in deren Mitte ein Baum stand, darüber der sternenklare Himmel. Die ganze Szenerie wirkte geradezu mystisch auf mich. Das zweite schöne Erlebnis geschah, als ich in der Nähe Shahrisabz, in den Bergen , mit Ozur in einen Berglokal aß, welches uns reichlich mit gegrilltem Fleisch eindeckte. Wir lachten ausgelassen, aßen, tranken Tee, rauchten Zigarette und während wir unsere Blicke über das Bergtal schweifen ließen, rauschten die Blätter im Wind.







Titel: Meine Zentralasien Reise 2012


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Published: 28.07.2013
Bischkek















Auf den Weg zum Sonkul See







Sonkul See













Auf den Weg nach Tasch Rabat über Naryn



Tasch Rabat







Mein Bad in Tasch Rabat

Koschoi-Korgon

Eine alte arabische Weltkarte

Alte russische Karte der Seidenstraße

Kotschkorka - Die Stadt der Kinder



Das „gebrochene Herz“

„Sieben Ochsen“

Karakol











Tamchi





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