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Einleitung

Wenn man heutzutage als Europäer über das traditionelle Asien nachdenkt, kommt einem oft Japan als Synonym, wenn nicht gar als der Stellvertreter schlechthin in den Sinn und das obwohl es in der asiatischen Geschichte und Weltgeschichte erst relativ spät eine gewichtige Rolle einnahm. Spätestens jedoch nach dem 2. Weltkrieg, wenn nicht schon während des Kolonialismus, erlangte Japan seinen Platz in der Weltgeschichte (ähnlich den Europäern). Bedauerlicherweise ist eine der Folgen davon, dass die Japaner in Asien recht unbeliebt sind, denn viele Nachbarländer erinnern sich noch an die Gräuel Japans im 1. und 2. Weltkrieg, für die es, im Gegensatz zu Deutschland, nie eine Entschuldigung, geschweige denn eine wirkliche Aufarbeitung gegeben hat. Das Gegenteil ist der Fall! Bis heute werden die Taten von damals gerechtfertigt und es ist wieder ein Erstarken des alten reaktionären und rassistischen Gedankenguts, besonders unter der Jugend zu beobachten. Dies sollte jedem bewusst sein, der nach Japan reist und kein hellhäutiger Europäer ist. Als ich 2008 mein Koffer packte und mich nach Tokyo aufmachte, war mir dies noch nicht ganz klar. Ich hatte schon viele asiatische Länder besucht und wollte natürlich Japan sehen. Aber es sollte sich für mich überraschend herausstellen, daß diese Reise eine der mühseligsten werden sollte. Selbst in meinen späteren Reisen durch die Steppen Zentralasiens war es sehr viel einfacher. So flog ich im Jahre 2008 nach Japan zur Zeit der Kirschblüte, also im April.

Tokyo – Erste Eindrücke


An meinem ersten Tag in Japan hatte ich Pech. Nach meiner Ankunft wurde mir mein zerfetzter Koffer überreicht. Geholfen wurde mir vom Flughafenpersonal und ich bekam fast sofort Ersatz. Einen ziemlich schweren und unhandlichen Kunststoffkoffer, aber besser als nichts! Kompetenz und stete Hilfsbereitschaft traf ich auch später beim überwiegenden Teil der Japaner, denen ich auf meiner Reise begegnete, an.

Auch das Wetter in Tokyo hatte sich gegen mich verschworen und begrüßte mich anfangs mit viel Regen. Glücklicherweise traf ich einen lustigen Schweizer auf Zusammen zogen wir durch die Stadt und nahmen viele positive Eindrücke in uns auf. Wir besuchten gewaltige Tempelanlagen, aber auch kleinen versteckte Tempel fernab von Tourismus, in denen Mönche bei ihren religiösen Zeremonien beobachtet werden konnten. Weitere Sehenswürdigkeiten waren: Modebezirke mit einem verschwindend geringen Anteil an männlichen Besuchern, schöne große Parkanlagen, und eine japanischen Hochzeit. In den ersten Tagen trafen wir regelmäßig nette Japaner, die immer für eine Unterhaltung zu haben waren. Während der ersten Tage meines Besuchs hielt ich das noch für ganz normal. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner war ja allgemein bekannt. Der wahre Grund dafür, erschloss sich mir erst später.



Hakone – Fuji San und die Berge Japans


Ich wollte weiter und fuhr mit der Bummelbahn in die Berge nach Hakone, nahe Fuji San. Dort gab es die zweite böse Überraschung (nach der Sache mit dem Koffer) … in strömendem Regen stand ich da in irgendeinem Bergkaff und mir wurde erklärt, dass in jedem noch so kleinen Dorf alle Zimmer ausgebucht wären. Nach langem Suchen fand ich für eine Nacht eine, tief in den Bergen gelegene Herberge (Ryokan). Hier bekam ich ein Zimmer hinter der Küche, was besser war als nichts. Hauptsache ein Dach über den Kopf bei diesem Wetter. Den Rest des Tages wanderte ich durch den Regen, um einen Platz für die darauf folgende Nacht zu finden. Dieses Problem sollte sich durch die ganze Reise ziehen und flexibles Reisen in Japan fast unmöglich bzw. sehr schwer machen. Trotz allem ließ ich es mir an dem Abend nicht nehmen, die heißen Quellen in schönem japanischem Ambiente zu genießen. Es regnete noch immer, dennoch blitzten hier und da Sterne durch die Wolkendecke. Langsam stieg der Dampf aus dem Bad auf, während ein Shishi-odoshi, dieses typische Blip-Blop-Geräusch von sich gab. Ich blickte in den Himmel und genoss die Einsamkeit. Am darauf folgenden Tag konnte ich den berühmten Fuji San sehen, der einen in München lebenden Menschen nicht allzu sehr beeindrucken mag. War aber ganz nett. Später begegnete mir bei strömendem Regen eine außergewöhnlich nette Japanerin die mich mit ihrer Herzlichkeit und Freude nur so überschüttete. Leider war das die Ausnahme. Sie half mir etwas zum Essen aufzutreiben und für die nächste Nacht ein Dach über den Kopf zu finden, eine im Wald gelegene Unterkunft, eine ziemlich urige Herberge war von außen als solche gar nicht zu erkennen. Das Gebäude sah wie ein gewöhnliches, japanisches Haus aus und die Beschriftung der Beschilderung war nur auf Japanisch. Die Besitzerin konnte mich zwar kaum verstehen, war aber irgendwie kultig. Obwohl ich anscheinend der einzige Gast war, (zahlreiche Zimmer waren unbelegt), durfte ich dort aber nur eine Nacht verbringen. Seltsam?!

Kyoto – Ein riesiges Freiluftmuseum

Danach ging es mit 300 KMH mit dem Schnellzug (Shinkansen) nach Kyoto. Den ersten Tag hatte ich wieder mal Probleme ein Dach über den Kopf zu finden und ärgerte mich über das unfreundliche Tourismus-Büro, welches nur westlich aussehenden Leuten mit der üblichen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft half. Ich stellte höflich die Frage nach möglichen Unterkünften … Antwort „Kümmern Sie sich bitte selber darum!“ … Ein blond und blauäugiger Amerikaner (ich weiß, es klingt nach Klischee, aber es war so), stellt direkt nach mir dieselbe Anfrage und wie kann es anders sein? Ihm wird so gut es geht geholfen. Der Amerikaner gab mir dann die gewonnenen Informationen weiter. War ein echt super netter Kerl.

Schließlich fand ich ein ziemlich gemütliches Dorm, welches von einem sehr lustigen und freundlichen Brasilianer geleitet wurde. Dieser lebte schon länger in Japan und kannte die Schwierigkeiten für Menschen anderer Hautfarbe aus eigener Erfahrung. Er erklärte mir, es gebe keinen Grund zur Sorge, ich müsse schon nicht auf der Straße schlafen! Selbst wenn er restlos ausgebucht sein sollte, würde sich zumindest ein Dach über dem Kopf bei ihm finden. Ich solle also den Kopf nicht hängen lassen. So viel Gastfreundschaft war schon mal für mich ein Grund etwas länger hier zu bleiben. Kyoto ist sehr überschaubar. Die Erkundung eines Stadtviertels dauert zu Fuß, fast ohne Verkehrsmittel, ungefähr einen Tag. Ich fühlte mich, wie in einem riesigen Freiluftmuseum. Man kann einfach so durch die Stadt schlendern, ohne gezielt vorgegebene Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten und sich mit Massen von Touristen in Tempelanlagen zu zwängen. In den verwinkelten Gassen finden sich immer wieder kleine versteckte Tempel und Schreine. Immer wieder sind gewaltige Tempelanlagen und Burgen (Shiro) zu entdecken. (Kyoto ist bekannt für seine vielen Burgen.). Durch Bambuswälder geht es einen Berg hinauf. Oben angekommen, kann die ganze Stadt überblickt werden. Einfach herrlich! Die Menschen hier sind offener als in Tokyo und es kommen immer wieder Gespräche zustande. Eine meiner Entdeckungen war ein wunderschöner Fluß, welcher ähnlich der Isar in München, die Stadt teilt. Während tagsüber eher die Architektur im Vordergrund steht, kommt abends richtig schöne Atmosphäre auf. In den Straßen sind immer wieder Geishas zu entdecken und man kann entspannt weggehen. Grundsätzlich ist das kulturelle Angebot schon sehr reichhaltig, und es gibt viel zu staunen. Allerdings wirkte diese Kultur auf mich eher statisch. Sie scheint nicht, wie in anderen Ländern wirklich gelebt zu werden.



Matsuyama – eine charmante Küstenstadt fernab des Tourismus

Danach ging es weiter, tief in den Süden nach Matsuyama. Dort durfte ich erst einmal meinen schweren Ersatzkoffer eine endlos lange Tempeltreppe hoch schleppen, um zu meiner Unterkunft zu gelangen, was fast eine ganze Stunde in Anspruch nahm. Innerlich verfluchte ich den Besitzer und fragte mich, wer auf die Idee gekommen war, seine Herberge auf einen so hohen Berg zu bauen. Atemlos und völlig fertig auf dem Gipfel angekommen, stand ich an der Rezeption und fand die Antwort. Es war ein Mönch. Natürlich, wer sonst außer einem Mönch würde eine Herberge auf den Gipfel eines Berges bauen. Darüber mußte ich schon irgendwie schmunzeln. Drinnen war es dann sehr gemütlich.. Am knisternden Kaminfeuer sitzend, konnte ich den Mönch beobachten, wie er Gäste massierte und verschiedene, mir fremde Heilpraktiken an ihnen vornahm.

In Matsuyama traf ich zum ersten Mal auf keine Ausländer. Japan ist schon ein wenig sehr touristisch. Darum gefiel mir Matsuyama doch ganz gut weil es nicht so überlaufen war. Ein angenehm beschaulicher Ort. Ich beschloss dort trotz viel Regen länger zu bleiben. Zu bestaunen war das dortige, auf einem Berg befindliche Schloss, welches ziemlich groß und beeindruckend war. Von oben konnte das kleine Matsuyama überblickt werden. Auch das Meer und die umliegenden Berge waren zu sehen. Hier qualmte ich genüsslich meine Zigarette, genoss den Ausblick, während um mich herum, Kirschblütenblätter still herab rieselten. Wenn es plötzlich auf den hin oder Rückweg zu regnen anfing stellte man sich in einen kleinen Tempel unter.
Ich lernte eine nette, ältere Köchin kennen. Sie war herzlich und hatte ein heiseres Lachen. Sie setzte sich zu mir an den Tisch und sang lustig klingende Lieder. Immer wenn ich aufbrach, gab sie mir kostenlos etwas zu Essen mit. Ich nahm an, endlich mal eine echt nette Japanerin gefunden zu haben. Am Ende stellte sich aber zu meiner Enttäuschung heraus, dass sie Koreanerin war.
Als wichtige Sehenswürdigkeit in Matsuyama ist auf jeden Fall das älteste Onsen Japans zu erwähnen – das Dogo Onsen. Ein altes und richtig schönes Badehaus. Ich betrat es, in freudiger Erwartung auf ein genüssliches Bad. Hier bekam ich die Aussage das ich nicht in das selbe Bad wie mit den anderen Japanern darf und in ein Bad für Gaijin gehen muss damit ich das japanische Bad nicht verunreinige, nach dieser Aussage ist mir die Lust am Onsen vergangen.

Tokyo – Abschluss der Reise

Irgendwann ging es zurück nach Tokyo mit dem Zug ging es an Bauern- und Fischerdörfern vorbei, die teilweise wirklich genau so aussahen, wie sie in alten Samuraifilmen dargestellt werden. Auf die Landschaft bezogen, kann gesagt werden, daß Japan sicherlich sehr schön ist. Auch haben die Japaner einen sehr ausgeprägten Sinn für Ästhetik. Alles ist außergewöhnlich sauber. Überall sind kleine Gärten zu finden, selbst in der Großstadt. Manchmal aber konnte diese Schönheit mein Herz einfach nicht berühren. Irgendwann wurde mir klar, warum das so war. Schönheit wird hier einfach übermäßig zelebriert und wirkt dadurch oft sehr arg konstruiert. Je weiter man aber auf das Land fährt, umso natürlicher und schöner wirkt Japan.

In Tokyo angekommen, bekam ich dann erst mal Fieber und lag drei Tage flach. Nach meiner Genesung trudelte mein Kumpel Hansu ein und zusammen hauten wir mächtig auf den Putz. Hansu ist Koreaner. Eine Tatsache, die er von den Japanern, besonders von den jüngeren, des Öfteren zu spüren bekam. Wir ließen uns davon aber nicht unterkriegen. Wir begannen mit urigen, japanischen Bars, welche in Seitengassen lagen. Danach ging es zum richtigen Feiern in die Clubs. Dort traf ich auch einen, in Japan lebenden Bekannten aus Deutschland. Nach und nach schlossen sich uns ein Kalifornier, ein Nigerianer und einige Japanerinnen. Unsere Gruppe wurde immer lustiger und so zogen wir fröhlich johlend und bunt gemischt durch Tokyo. Besonders die kleinen, urigen Bars, in denen eine gemütliche und herzliche Atmosphäre herrschte, hatten es mir angetan. Hier gingen Japaner der unteren Arbeiterklasse ein und aus. Die Bedienung bemutterte einen, die Männer klopften uns auf die Schultern und das obwohl mein Kumpel Koreaner und ich Arab war. Vorurteile gab es kaum. Nicht beim einfachen Volk. Hier waren wir zu Hause.

Schlusswort

Am Ende hatte ich zwar mächtig Spaß gehabt, aber dem Volk bin ich zum ersten Mal auf einer Reise nicht wirklich nahe gekommen. Die Japaner sind zwar stets freundlich, nett und kompetent, es fehlt ihnen aber oftmals an Herzlichkeit und sie wirken einfach distanziert, wobei das auch untereinander so zu sein scheint. Mit ihren vielen gesellschaftlichen Regeln und Moralvorstellungen kam es mir so vor, als ob sie die preußischen Tugenden perfektioniert hätten. Zusätzlich störte der unterschwellige Rassismus gegen alles nicht japanische und Menschen dunkler Hautfarbe. In Tokyo schließen viele Geschäfte schon um 18 Uhr und die Stadt pulsiert hier nicht so, wie es in Film und Fernsehen dargestellt wird oder in anderen Metropolen (z. B. Seoul) üblich ist. Tokyo hat teilweise etwas Kleinbürgerliches an sich. Diese Aussagen sind natürlich sehr allgemein und spiegeln nur meinen bescheidenen Eindruck wieder, den ich während des kurzen Aufenthalts hier in Japan gewonnen haben.

Dennoch - Japan sollte man sehen! Für mich war es eine Erfahrung, die ich nicht missen will. Aber hochjubeln, wie so viele, kann und werde ich es nicht.






Titel: Japan * Reise eines dreckigen Gaijins


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Published: 11.01.2013
Tokyo





















Hakone – Fuji San





Kyoto























Matsuyama















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